Freitag, 26.06.2026

Digitale Gewalt wird zur Alltagsrealität für viele Frauen: Hanauer Podium fordert mehr Hilfe und Prävention

Empfohlen

redaktion
redaktionhttps://rhein-main-reporter.de
Die Reporter für unsere Region

Bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in Hanau haben Expertinnen die wachsende Bedeutung digitaler Formen von Gewalt gegen Frauen betont und mehr Aufklärung, Prävention und niedrigschwellige Unterstützungsangebote gefordert. Die Teilnehmenden beschrieben digitale Übergriffe als häufige Erfahrung im persönlichen Umfeld der Betroffenen und forderten gesamtgesellschaftliche Reaktionen.

Veranstaltung und kommunaler Rahmen

Das Gespräch fand in der Wallonischen Ruine statt. Eingeladen hatten das Frauenbüro der Stadt Hanau, das Referat für Frauenfragen und Chancengleichheit des Main Kinzig Kreises, der Sportkreis Main Kinzig und der erste Hanauer Lauftreff. Die Veranstaltung war Teil des Begleitprogramms zum 25. Hanauer Stadtlauf Stärke zeigen, Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen am 18. September.

In ihren Grußworten verwies Stadträtin Isabelle Hemsley auf die oft unterschätzte Dimension digitaler Gewalt. „Die Methoden der Täter verändern sich ständig, die dahinterliegenden Muster sind jedoch seit Jahrhunderten dieselben. Es geht um Macht, Einschüchterung und Unterdrückung“, sagte Hemsley und wies zugleich auf die lang anhaltenden psychischen Belastungen hin, die Opfer zu tragen haben können. Sie betonte außerdem die Notwendigkeit der Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg.

Formen digitaler Gewalt und Herausforderungen

Auf dem Podium diskutierten Vertreterinnen lokaler Beratungsstellen und eine Juristin über Erscheinungsformen digitaler Gewalt. Genannt wurden Überwachung und Stalking, Bedrohungen und Belästigungen, die Verbreitung intimer Inhalte sowie manipulierte Bilder und Videos. Die Diskussion machte deutlich, dass viele dieser Taten im direkten Umfeld der Betroffenen stattfinden und mit Machtverhältnissen und Abhängigkeiten verknüpft sind.

Zu den Teilnehmenden gehörten Lisa Ortwein von Frauen helfen Frauen, Hilfe zur Selbsthilfe e.V. Hanau, Brigitte Machnitzke und Christine Bechtel von Frauen helfen Frauen e.V. Wächtersbach, Roberta Bandel von Lawine e.V., Corinna Botzum von Hanauer Hilfe e.V. sowie die Rechtsanwältin Zümrut Turan Schnieders. Moderiert wurde die Runde von Susanne Ruth von Radio Hanau.

Dunkelziffer und Hilfsangebote

Die Expertinnen wiesen auf eine hohe Dunkelziffer hin. Viele Betroffene meldeten Vorfälle nicht aus Scham, Angst oder Unsicherheit. Deshalb müssten Beratungsstellen niedrigschwellig erreichbar sein und auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Dabei sei wichtig, Betroffene in ihrer Entscheidungsfreiheit zu stärken und gemeinsam Schutzstrategien zu entwickeln.

In der Diskussion wurde zudem auf Lücken in der personellen und finanziellen Ausstattung von Beratungs- und Hilfseinrichtungen hingewiesen. Kontinuierliche Fortbildung für Fachkräfte sei notwendig, um auf neue digitale Taktiken reagieren zu können.

Prävention und gesellschaftliche Perspektive

Die Teilnehmenden machten deutlich, dass digitale Gewalt kein ausschließlich technisches Problem ist, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen und Einstellungen. Prävention müsse deshalb bei Kindern und Jugendlichen beginnen, aber auch Erwachsene erreichen, damit Grenzverletzungen früh erkannt werden und Hilfen in Anspruch genommen werden.

Marisa Lang, Frauenbeauftragte der Stadt Hanau, fasste die Herausforderung kürzer: Gewalt gegen Frauen verändere sich kontinuierlich, und die digitale Ebene stelle Beratungen und rechtliche Angebote vor neue Aufgaben.

Quelle anzeigen

Weiterlesen

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Aktuelles