Die Stadt Hanau hat die Grabstätte von Gertrud Rosemann auf dem Hanauer Hauptfriedhof nach der Richtlinie zur Anerkennung von Ehrengräbern zur Ehrengrabstätte erhoben. Die Kommune übernimmt damit künftig die Pflege und Unterhaltung der Ruhestätte der Gründerin des Hessischen Puppenmuseums.
Leben und beruflicher Werdegang
Gertrud Rosemann wurde am 30. Oktober 1922 in Kettwig geboren und wuchs in Wuppertal auf. Sie studierte in Koblenz und legte 1943 das Staatsexamen ab. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie als Lehrerin in Ostpreußen und Masuren. 1945 schloss sie sich einem Flüchtlingstreck an und geriet anschliessend in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach ihrer Entlassung aus einem Internierungslager kehrte sie 1948 nach Deutschland zurück und nahm 1949 ihre Lehrtätigkeit wieder auf. Bis zu ihrer Pensionierung 1985 war sie als Lehrerin in Frankfurt am Main tätig.
1983 gründete Rosemann das Hessische Puppenmuseum im Arkadenbau der historischen Kuranlagen Wilhelmsbad. Das Museum etablierte sich in den folgenden Jahren als Ort kultureller Bildung und ehrenamtlichen Engagements. 1997 übergab sie die Museumsleitung an ihren Nachfolger. Bis dahin hatte sie nach Angaben der Stadt rund 66 700 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet und mehrere Publikationen zu Ausstellungen veröffentlicht. Gertrud Rosemann starb am 6. Februar 2023 im Alter von 100 Jahren.
Internationale Kontakte und Auszeichnungen
Über das Puppenmuseum entstand 1989 ein Kontakt zur japanischen Stadt Tottori, nachdem deren Oberbürgermeister Masaru Nishio das Thema Völkerverständigung über Spielzeug vermitteln wollte. Eine Ausstellung führte 1995 zur Eröffnung des Spielzeugmuseums Warabe kan in Tottori und legte den Grundstein für die Museenpartnerschaft. 2001 wurde daraus eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Hanau und Tottori.
Für ihr Engagement erhielt Rosemann mehrere Auszeichnungen. Dazu zählen der Kulturpreis des Main Kinzig Kreises, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Goldene Ehrenplakette der Stadt Hanau, der Deutsch japanische Freundschaftspreis der Robert Bosch Stiftung sowie ein japanischer Kaiserorden. Die Stadt Tottori verlieh ihr ausserdem eine ausserordentliche Ehrenbürgerurkunde, eine Ehrung, die dort zuvor vorwiegend Politikern zuteil geworden war.
Städtische Begründung der Ehrung
Oberbürgermeister Claus Kaminsky würdigte Rosemann als eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, die Hanau als Kulturstadt, als Ort bürgerschaftlichen Engagements und als Ort internationaler Verständigung nachhaltig geprägt habe. Die Stadt begründet die Erhebung der Grabstätte zum Ehrengrab mit ihrem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz sowie den bleibenden kulturellen Strukturen, die sie geschaffen habe.
Stadträtin Isabelle Hemsley sagte, die Kommune wolle mit der Übernahme der Pflege das Andenken lebendig halten und die Wertschätzung für ihr Lebenswerk ausdrücken. Die Einstufung als Ehrengrab gilt ab sofort.
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