Der frühere Theaterintendant Manfred Beilharz hat seinen beruflichen Vorlass der Landeshauptstadt Wiesbaden geschenkt. Den Schenkungsvertrag unterschrieb er am Donnerstag, 22. Januar im Kulturdezernat am Schillerplatz. Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl nahm die Übergabe für das Stadtarchiv entgegen. Mehr als dreißig Kisten mit Unterlagen sollen in den kommenden Wochen in das Archiv übernommen werden.
Stationen einer langen Theaterkarriere
Beilharz blickt auf mehr als fünfzig Jahre im Theater zurück. Nach seinem Studium der Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft sowie einer Promotion in Theater und Urheberrecht arbeitete er als Regieassistent an den Kammerspielen in München. Stationen seiner Laufbahn waren das Westfälische Landestheater in Castrop Rauxel, das Landestheater Tübingen, die Städtischen Bühnen Freiburg, das Staatstheater Kassel und das Theater in Bonn. In Bonn leitete er ab 1997 als Generalintendant drei zuvor getrennte Häuser für Schauspiel, Oper und Ballett gemeinsam.
Von 2002 an prägte Beilharz mehr als ein Jahrzehnt das Hessische Staatstheater Wiesbaden. Daneben wirkte er als Festivalmacher, Regisseur und in internationalen Gremien. Er war von 2002 bis 2008 Weltpräsident des Internationalen Theaterinstituts der UNESCO und ist heute dessen Ehrenpräsident.
Der Vorlass und seine Bedeutung
Erste Kontakte zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv bestanden seit 2019. Zum Vorlass gehören nach Angaben der Beteiligten Programmhefte, Fotografien, Spielzeitprogramme, Inszenierungsentwu00fcrfe, Briefe und sonstige Korrespondenzen sowie Presseauschnitte. Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg betonte, dass das Material nicht nur die Intendanz in Wiesbaden dokumentiere, sondern auch die internationalen Aspekte einer langjährigen Theaterkarriere abbildet.
Beilharz sagte, er habe Materialien aus allen Stationen seines Schaffens angeboten, um eine geschlossene künstlerische Biografie zu ermöglichen. Quadflieg hob hervor, dass gerade die Dokumente zu Gastspielen und Festivals den besonderen Wert des Bestands ausmachten.
Ein Erinnerungsstück und ein Hinweis auf internationalen Austausch
Bei der Vertragsunterzeichnung brachte Beilharz ein besonderes Objekt mit: ein Schofar, ein altes israelisches Blasinstrument aus Antilopenhorn. Das Instrument hatte ihm Hanna Munitz, damalige Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv, geschenkt. Beilharz erinnerte an eine Wiesbadener Erstaufführung von Alban Bergs Oper Wozzeck im Jahr 2003 und an die Inszenierung in Tel Aviv 2005, die dort 14 Mal gespielt wurde und zu einem großen Erfolg geriet.
Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl sagte, die Stadt sei dankbar, dass Beilharz das Stadtarchiv für die Aufbewahrung seines Vorlasses ausgewählt habe. Die kleine Unterzeichnungsfeier sei heitere Momente voreinschlossen gewesen, als der 87 Jahre alte Vorlassgeber dem Schofar einen Ton entlockte.
Zum Abschluss der Zeremonie äußerte Beilharz nachdenkliche Worte zur politischen Lage in Teilen der Welt: „Leider haben sich inzwischen in Russland, in Europa und in Israel, und nicht nur dort, die politischen Verhältnisse geändert. Es wäre an der Zeit, die Uhr zurückzudrehen und einen Neuanfang zu wagen.“ Die nun übernommenen Unterlagen sollen künftig Forschenden ermöglichen, die internationale Vernetzung und die künstlerischen Impulse seiner Arbeit nachzuvollziehen.
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